Werke

Christian Friedrich Gille

1805 Ballenstedt/Harz – Friedrichstadt/Dresden 1899

Blütendolde eines Fingerhuts.

Ölstudie, über Bleistift, auf bräunlichem festem Bütten. 30,9:29 cm.

Provenienz: Sammlung Johann Friedrich Lahmann, Bremen und Dresden; Auktion Rudolph Lepke, Berlin, Versteigerung April 1938; Sammlung Walther Unus (d.i. Walther Heinrich, 1872 Berlin – Rom 1939), Berlin; 363. Auktion Ketterer Kunst, München, Versteigerung 23.04.2010, Nr. 154 mit farb. Abb.

Gille betrachtete im Gegensatz zu seinem Dresdener Lehrer Johan Christian Clausen Dahl (1788-1857), als dessen bedeutendster Schüler er gilt, seine vor der Natur geschaffenen Studien mit selbst gewählten Motiven nicht als Vorlagen zu größeren Gemälden, sondern als autonome Kunstwerke. Sie geben seine unvoreingenommene Sehweise und individuelle Wahrnehmung wieder und standen seinerzeit im Widerspruch zu den konventionellen Bilderfindungen seiner Kollegen.

Auch diese Pflanzenstudie, dem Motiv angepaßt in ein langgestrecktes Hochformat, in Nahsicht dokumentiert, zeigt, daß Gille die einfachsten Naturformen intensiv studierte. Sein Pinselauftrag zeigt sich der Bildgattung gemäß kleiner und feinteiliger, womit das eher zeichnerische Element im Gegensatz zum rein malerischen Erfassen des Objektes überwiegt – möglicherweise auch ein Hinweis auf eine Entstehungszeit um 1850/60. So erscheint uns in diesem Zusammenhang in der Art der Ausführung verwandt „Dornenranken mit Unterholz“ aus dem Jahre 1874, das sich in der Bremer Kunsthalle, Kupferstichkabinett, befindet (Ausst. Katalog: Christian Friedrich Gille 1805-1899, Staatliche Kunsthalle Dresden – Gemäldegalerie Neue Meister, Leipzig 1994, Kat. Nr. 87, Abb. S. 79). Komposition sowie Motiv lassen zudem an die Tradition der (naturgeschichtlichen) Blumenmalerei denken, der Gille virtuos bei fein abgestimmter Farbgebung entgegenkommt.

Preis: 6.800,00 EUR