Werke

Max Beckmann

1884 Leipzig – New York 1950

Jahrmarkt.

Folge: 7 Bll. Titel, Impressum, Inhaltsverzeichnis sowie 10 Radierungen, 1921, auf chamoisfarbenem Velin, mit Bleistift signiert, mit Orig.-Passepartouts,
in Orig.-Mappe. 52:38,2 cm (Blattgrößen). München, R. Piper & Co., 1922.

Provenienz: Sammlung Reinhard Piper, München.

Literatur: Hofmaier 191-200, II B (von D).

Es handelt sich um das Belegexemplar des Verlages Reinhard Piper.

Prachtvolle, samtig schwarze Drucke, mit zeichnender Plattenkante, unten rechts jeweils der Trockenstempel „Ganymed“ der Marées-Gesellschaft.

Der „Jahrmarkt“ zählt zu den bedeutendsten druckgraphischen Folgen des Expressionismus und ist mit der expressiven, kantigen Linienführung ein charakteristisches Beispiel für Beckmanns reifen Schaffensstil.

Zu Beginn des Mappenwerkes zeigt sich der Künstler selbst (wie in allen seinen Mappenwerken). Hier als Ausrufer des „Circus Beck(mann)“, der mit der Glocke in der Hand am Eingang die Aufmerksamkeit der Besucher weckt, sie herbeilockt und zum Rundgang über den Jahrmarkt empfängt, einem Panoptikum des menschlichen Treibens.

Die Radierungen tragen folgende Titel:

„Der Ausrufer“ (Hofmaier 191)
„Garderobe“ (H. 192)
„Hinter den Kulissen“ (H. 193)
„Schiessbude“ (H. 194)
„Der grosse Mann“ (H. 195)
„Der Neger“ (H. 196)
„Das Karussell“ (H. 197)
„Die Seiltänzer“ (H. 198)
„Niggertanz“ (H. 199)
„Schlangendame“ (H. 200)

Ende Januar 1921 schrieb Beckmann seinem Verleger: „Ich habe Ihnen zu Ehren zwei Mappen (Werke) die man mir angeboten hat zurückgestellt. Im Sommer will ich dann mit ganzer Kraft an die Arbeit gehen.“

Am 1. Juni 1921 schrieb Beckmann seinem Verleger: „Heute sind die Kupferplatten gekommen. Ich freue mich nun darauf von einer Kupferplatte zur anderen zu reisen. Teilweise werde ich sie in Österreich fertig machen wo ich den Prater mir auch ansehen will bei Wien.“ (Zit. aus: James Hofmaier, Max Beckmann. Catalogue raisonné of his prints. Bd. II, Bern 1990, S. 497).

Diese Mappe wurde als 36. Druck der Marées-Gesellschaft im Frühjahr 1922 hergestellt. Den Druck der Radierungen nahm Franz Hanfstaengel, München, vor. Es wurden 75 Exx. auf Japan abgezogen und 125 Exx. auf Velin. Ausser diesen 125 Exx. auf Velin wurde das hier vorliegende Exemplar gedruckt als Beleg für den Verlag.

In Folgen wie „Der Jahrmarkt“ entwickelt Beckmann sein satirisches Talent – lässt das Böse, das Gute und das Gleichgültige gelten. Er vergisst nicht, dass man auf dieser Welt auch Spaß haben kann. Es siegt die Helligkeit über das Grässliche, das der Künstler im Krieg und in der Nachkriegszeit zu überstehen hatte.

Max Beckmann zählt sicher zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Basierend auf neuen Kunstauffassungen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, wie etwa dem Impressionismus und Expressionismus, sowie altmeisterlichen Kunsttraditionen entwickelte Beckmann einen ganz eigenen Stil, der bewußt als Gegenposition zum abstrakt-geometrischen Stil, etwa dem Kubismus oder Futurismus, verstanden werden wollte und die Figur in den Mittelpunkt seines Schaffens stellt.

Preis: auf Anfrage